Auf dem Weg zur Elimination

Wien, 11. April 2019

Erklärtes Ziel der WHO ist die Elimination der Hepatitis C bis zum Jahr 2030. Island ist diesem Ziel schon recht nahe, Spanien, Frankreich, Australien und Japan auf einem sehr guten Weg. Deutschland wird das Ziel 2030 nicht erreichen, sondern erst einige Jahre später, wenn die Bemühungen nicht gesteigert werden. Hier gilt es insbesondere marginalisierte Gruppen wie aktive Drogengebraucher zu erreichen und MSM frühzeitig zu behandeln.

Zahlreiche Studien zu SVR- und Reinfektionsraten in diesen Patientengruppen wurden präsentiert. Bei substituierten Patienten mit/ohne Beikonsum sind die SVR-Raten vergleichbar mit nicht Drogenabhängigen, das belegen u.a. Zahlen aus dem deutschen Hepatitis C-Register.

Zu aktiven Drogengebraucher ohne Substitution gibt es bislang nur sehr wenige Daten. In zwei Studien, in denen die Therapie in einem niedrigschwelligem „harm reduction setting“ angeboten wurde, waren die SVR hoch. In Vancouver wurden 215 Patienten behandelt. Probleme gab es lediglich bei den obdachlosen Patienten, hier erreichten nur 70% die SVR im Vergleich zu 94% mit festem Wohnsitz. In der spanischen Studie wurden 165 Drogengebraucher behandelt. Die SVR lang bei 95% (mITT). Wertet mal allerdings Reinfektion=Versagen liegt sie nur bei 80% (ITT). Die Reinfektionsrate lag bei 10/100 Personenjahren (PJ) und war abhängig vom Zeitpunkt der letzten Injektion. Wurden intravenöse Drogen in den letzten 6 Monaten vor Therapiebeginn konsumiert, stieg die Reinfektionsrate auf 17/100 PJ, wurde in den letzten 30 Tagen vor Therapiestart konsumiert, auf 19/100 PJ. Die mediane Zeit bis zur Reinfektion betrug 7 Monate.

In einer Metaanalyse, die Daten aus 35 Studien auswertete, lag die Zahl von Reinfektionen bei 5% /100 Personenjahren. Allerdings faden sich nur in vier Studien Angaben zu Subsitution oder kürzlichem Drogengebrauch. Bei der Interpretation von Metaanalysen bei Drogengebrauchern ist daher Vorsicht geboten, die Studienpopulationen können sehr unterschiedlich sein.

Bei MSM in New York betrug die Reinfektionsrate 8,7/100 Personenjahren, in einer kanadischen Kohorte dagegen insgesamt 2/100 PJ, wobei es hier allerdings deutliche Unterschiede gab. Die höchste Reinfektionsrate fand sich bei jungen HIV-positiven MSM (5/100/100 PJ) und es zeigte sich ein Anstieg der Häufigkeit der Diagnose nach 2005.

Kommentar Dr. Ramona Pauli, München

Aktive intravenöse Drogengebraucher können durch aufsuchende bzw. niedrigschwellige Hilfseinheiten erfolgreich behandelt werden, wenn für die vitalen Bedürfnisse wie Nahrung und Wohnung gesorgt ist. Reinfektionen sind in diesem Setting ebenso wie bei MSM eine Realität und sie sind umso häufiger je länger das Risikoverhalten fortgesetzt wird. Dennoch: Eine HCV-Elimination ist möglich, wenn Reinfektionen frühzeitig behandelt werden. Doch leider fehlt bislang die Zulassung der DAA zur Behandlung der akuten Hepatitis C.


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