Therapie
Weiterführende Information
Alle Patienten mit einer chronischen Hepatitis B sind grundsätzlich Kandidaten für eine antivirale Therapie. Die Indikationsstellung berücksichtigt in erster Linie die Höhe der Virusreplikation im Blut (Grenzwert 10 000 Kopien/ml bzw 2000 IU/ml), den Entzündungs- und Fibrosestatus in der Leberbiopsie und die Höhe der Serumtransaminasen. Eine sichere Indikation zur antiviralen Therapie haben somit Patienten mit einer hohen Virämie (< 2000 IU/ml), die eine entzündliche Aktivität mit erhöhten Transamniasen aufweisen und unter Berücksichtigung von Lebensalter und Begleiterkrankungen ein Risiko besitzen eine Leberzirrhose und/oder dessen Komplikationen wie ein HCC zu entwickeln.
Die Höhe der Transaminasen ist kein zuverlässiger Parameter zur Abschätzung der Krankheitsaktivität, insbesondere bei HBe-Ag negativen Patienten. Bei zunächst nicht eindeutiger Indikation sollten die Transaminasen in dreimonatigen Abständen kontrolliert werden. Neu in den im Juni 2010 vorgestellten Leitlinien zur Hepatitis B wir eine Therapie nun nicht nur bei einer mehr als zweifachen Erhöhung der Transaminasen empfohlen, sondern schon bei jeder erhöhten GPT. Patienten ohne erhöhte Transamniasen aber mit extrahepatischen Manifestationen (z.B. Panartriitis nodosa, Glomerulonephritis, ) oder HCC-Risiko sollten ebenfalls behandelt werden. In unklaren Situtationen, z.B. Virämie < 2000 IU/ml und Transaminasen nicht oder nur minimal erhöht, sollte das Ergebnis der Leberbiopsie mit in die Entscheidung einbezogen werden. Zu den besonders behandlungsbedürftigen Patienten gehören Patienten mit bereits bestehender Leberzirrhose.
Zu den Patienten, die in der Regel nicht behandelt werden sollten zählen inaktive HBs-Ag-Träger mit niedriger Virämie und normalen Transaminasen, da diese Patienten eine niedrige HBV-assoziierte Morbidität aufweisen.
Therapieindikation

Abb. 1: Therapieindikation 2010/2011
Behandlung
Zur Therapie steht pegyliertes Interferon, das
einmal wöchentlich gespritzt wird, und Nukleos(t)idanaloga als Tabletten zur
Verfügung.

Abb. 2: Therapie 2010/2011
Therapieziel
Das Ziel der Behandlung der chronischen Hepatitis B ist die Morbidität und Mortalität zu senken. Dazu sollen die Surrogatmarker während und nach der Behandlung untersucht werden. Zielwerte wurden in den bisherigen Leitlinien nicht genannt. In neueren Studien hat sich gezeigt dass die Senkung der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze die klinischen Endpunkte wie HCC verhindern kann. Als Therapieziel wird daher die Senkung der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze genannt. Das langfristige Ziel ist die immunologische Kontrolle, d.h. die Serokonversion von HBs-Ag zu Anit-HBs- Antikörpern. Ein sekundäres Therapieziel ist auch, die Infektiösität der Patienten zu senken.

Abb. 3: Therapieende 2010/2011


