Chronische Hepatitis B
Effektive Langzeitstrategien mit Entecavir für den klinischen Alltag

Übergeordnete Ziele der Behandlung einer chronischen Hepatitis B (CHB) sind die Verbesserung der Lebensqualität und die Prävention langfristiger Folgeerkrankungen der Leber. Die Mehrheit der Patienten mit chronischer Hepatitis B (CHB) benötigt dazu eine dauerhafte Therapie mit Nukleos(t)idanaloga. Langzeitaspekte der Therapie und ein tragfähiges Arzt-Patienten-Bündnis bilden daher von Beginn an einen wichtigen Bestandteil der Therapieplanung.

Die derzeitige Therapiewahl für das Langzeitmanagement der CHB ist nach Worten von Prof. Stanislas Pol, Paris, von drei Hauptaspekten geleitet: der antiviralen Potenz, dem Resistenzprofil und der Sicherheit der antiviralen Therapie1-3. Das Risiko für eine Resistenzentwicklung lässt sich durch die Auswahl potenter Wirksubstanzen wie dem Nukleosidanalogon Entecavir (Baraclude®) mit einer hohen genetischen Resistenzbarriere weiter reduzieren 4.

Welche Therapieendpunkte sind realistisch?

Da sich die Langzeittherapie der CHB für die meisten Patienten als Therapie ohne Endpunkt darstellt, ergibt sich häufig die Frage nach einem möglichen Therapieende. Als idealer Therapieendpunkt wird der HBsAg-Verlust angesehen, der aufgrund seiner Seltenheit Prof. Jörg Petersen, Hamburg, zufolge derzeit jedoch kein realistisches Therapieziel ist. Während HBeAg-negativen Patienten eine Dauertherapie empfohlen wird, gilt für HBeAg-positive Patienten die HBeAg-Serokonversion mit einer anschließenden Erhaltungstherapie für 6 – oder besser 12 Monate – als ausreichender Endpunkt 1-3.

Mit Entecavir (ETV) lag der Anteil der Patienten mit negativer Viruslast bei HBeAg-positiver, nicht vorbehandelter CHB nach fünf Jahren bei 94 % (unterhalb der Nachweisgrenze von < 300 Kopien/ml) 5. Überdies wurden in den Phase-III-Studien HBeAg-Serokonversionsraten von 21 % nach 48 Wochen bzw. 31 % nach 96 Wochen erreicht 6, 7. Prof. Guido Gerken, Essen, wies darauf hin, dass Real-Life-Daten die Ergebnisse der klinischen Studien sogar übertrafen: In einer italienischen Real-Life-Kohorte lag die Serokonversionsrate nach einem 30-monatigen Follow-up bei 44 % 8. Histologische Auswertungen von Leberbiopsien belegten überdies, dass ETV-behandelte Patienten langfristig von einer nachweislichen Verringerung der Entzündungsaktivität und einem Rückgang fibrotischer Veränderungen in der Leber profitieren können 5.

Eine Therapieunterbrechung könne trotz Erhaltungstherapie zum serologischen bzw. virologischen Rezidiv führen, gab Petersen zu bedenken. In diesem Zusammenhang ist auch die häufig unzureichende Adhärenz der Patienten zu berücksichtigen 2. Dr. Mark Thursz, London, zufolge besteht die effektivste Maßnahme der Adhärenzförderung darin, den Patienten regelmäßig zu sehen, wobei die Vermittlung eines positiven Feedbacks bei der Fortsetzung der Therapie besonders wichtig sei.

Langzeitsicherheit – die Leber nicht isoliert betrachten

Die Leber könne im Rahmen der Langzeittherapie nicht als isoliertes Organsystem betrachtet werden, betonte Prof. Hans-Jürgen Stellbrink, Hamburg. Zu den potenziellen extrahepatischen Langzeitproblemen würden beispielsweise renale Funktionsstörungen gehören, da Nukleos(t)idanaloga im proximalen Tubulus akkumulieren und im Einzelfall tubuläre Schäden induzieren könnten. Als Risikopatienten würden v.a. Patienten mit einem Diabetes mellitus sowie arteriellem Hypertonus in Frage kommen 9. Das Sicherheitsmonitoring der Nierenfunktionen ist mit der substanzspezifischen Fachinformation abzustimmen. Unter ETV wird bei normalen Nierenfunktionen kein routinemäßiges Monitoring empfohlen 10.

1 EASL Clinical Practice Guidelines: Management of chronic hepatitis B. J Hepatol 2009; 50: 227-42.

2 Lok AS, McMahon BJ. AASLD Practice Guidelines: Chronic Hepatitis B: Update 2009. Hepatology 2009; 50: 1-29.

3 Cornberg M et al. Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Z Gastroenterol 2011; 49: 871-930.

4 Tenney D et al. 44. EASL-Jahrestagung, 2009. Orale Präsentation 20.

5 Chang TT et al. Hepatology 2010; 51: 422-30.

6 Chang TT et al. N Engl J Med 2006; 354: 1001-10.

7 Gish RG et al. Gastroenterology 2007; 133: 1437-44.

8 Lampertico P et al. 61. AASLD-Jahrestagung 2010. Abstract #391.

9 Viganò M, et al. AASLD 2010. Poster 414.

10  Fachinformation Baraclude®, Stand Mai 2011


Mit freundlicher Unterstützung von Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Quelle: Symposium Bristol-Myers Squibb „Facing reality: Effective long-term management strategies in patients with CHB“ am 21. September 2011 in Paris (Webcast) und München.Bericht: Dr. med. Yuri Sankawa, Stuttgart

Nachrichten

  • Leberschädigende Medikamente erkennen

    11. April 2012: Im Rahmen der Initiative „Mechanism Based Improved Systems for the Prediction of Drug-Induced Liver Injury (MIP-DILI)“ wollen die Wissenschaftler neue Testverfahren entwickeln, die das leberschädigende Potenzial eines Wirkstoffs zu einem frühen Zeitpunkt in der Arzneimittelentwicklung erfassen.weiter

  • Boceprevir und geboosterte Proteasehemmer

    10. Februar 2012: Pharmakokinetische Studien belegen relevante Interaktionen von Boceprevir (Victrelis®) mit geboosterten Proteasehemmern.weiter

  • Automatisierter Bluttest für Leberfibrose

    31. Januar 2012: Siemens bietet den ersten schnellen, automatisierten Biomarker-Test zur Diagnose und Beurteilung einer Leberfibrose an. Der ELF-Test (Enhanced Liver Fibrosis-Test) dauert rund eine Stunde. Er benötigt nur eine Blutprobe.weiter

  • Gilead kauft Pharmasset

    22. November 2011: Gilead Sciences erweitert mit dem Einkauf sein Hepatitis-C-Portfolio.weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir bei HIV/HCV-Koinfektion

    25. Oktober 2011: Die Tripletherapie mit dem HCV-Proteasehemmer Boceprevir ist auch bei HIV/HCV-Koinfektion hochwirksam. Bei 70% der Patienten war HCV zu Woche 24 nicht mehr nachweisbar.weiter

  • Telaprevir und Raltegravir: Keine Interaktion

    21. September 2011: Die Kombination des HCV-Proteasehemmers mit dem Integrasehemmer Raltegravir hat keine klinisch relevanten Wechselwirkungen.weiter

  • Hohe SVR mit BMS-790052

    21. September 2011: In einer Phase-2-Studie erreichten bis zu 83% der Patienten nach einer Tripletherapie mit dem neuen NS5A-Inhibitor eine SVR.weiter

  • Telaprevir (Incivo®) zugelassen

    20. September 2011: Der HCV-Proteasehemmer wurde von der Europäischen Behörde für Arzneimittel (EMA) zur Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis C Genotyp 1 in Kombination mit pegyliertem Interferon und Ribavirin zugelassen ...weiter

  • Telaprevir erhält Zulassungsempfehlung

    22. Juli 2011: Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat vom Ausschuss ein positives Votum für die Zulassung des HVC-Proteasehemmers Telaprevir erhalten.weiter

  • HCV-Proteasehemmer Boceprevir in Europa zugelassen

    18. Juli 2011: Die European Medicine Agency (EMA) hat den HCV-Proteasehemmer Boceprevir zur Behandlung der chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) vom Genotyp 1 zugelassen.weiter

  • Abbott plant neue Formulierungen

    18. Juli 2011: Das Unternehmen Abbott entwickelt eine neue Fixkombination von Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) mit Lamivudin sowie eine Pulverform von Ritonavir (Norvir®).weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir und Telaprevir in den USA zugelassen

    24. Mai 2011: Die beiden HCV-Proteasehemmer Boceprevir (VictrelisR) und Telaprevir (IncevekR) wurden zugelassen in Kombination mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin.weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir und Telaprevir in den USA für die Zulassung empfohlen

    29. April 2011: Das Advisory Board für antivirale Medikamente der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA hat jeweils einstimmig die Zulassung der beiden HCV-Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir für therapienaive und vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C empfohlen. Über die Zulassung der beiden HCV-Proteasehemmer wird die FDA am 23. Mai entscheiden.weiter

Nachrichten-Archiv weiter