Tripletherapie MIT BOCEPREVIR
Bessere Heilungschancen bei chronischer Hepatitis C

Der seit Juli 2011 EU-weit zugelassene Proteasehemmer Boceprevir erhöht die Heilungschancen von Patienten mit chronischer Hepatitis C-Genotyp 1-Infektion deutlich. Bei therapienaiven Patienten konnten die Heilungsraten fast verdoppelt werden, bei erfolglos vorbehandelten Patienten wurde das dauerhafte virologische Ansprechen nahezu verdreifacht. Das Sicherheitsprofil der Tripletherapie ist vergleichbar mit dem der dualen Therapie aus pegyliertem Interferon und Ribavirin, Anämien und Geschmacksstörungen traten unter der Dreifachkombination häufiger auf.

Basis der Zulassung von Boceprevir (Victrelis®) zur Behandlung der chronischen HCV-Genotyp 1-Infektion waren die Phase-III-Studien SPRINT-2 1 mit 1.097 therapienaiven Patienten und RESPOND-2 2 mit 403 vorbehandelten Patienten, die in der Vortherapie nur partiell auf pegyliertes Interferon plus Ribavirin (pegIFN/RBV) angesprochen oder nach dauerhaftem virologischem Ansprechen (Sustained Viral Response, SVR)  einen Rückfall erlitten hatten.

In einer vierwöchigen Lead-In-Phase erhielten die Patienten zunächst pegIFN/RBV. „Die hierdurch erzielte Reduktion der Viruslast soll die Gefahr der Resis-tenzentstehung gegenüber dem Proteasehemmer reduzieren“, erklärte Prof. Christoph Sarrazin, Frankfurt am Main. Darüber hinaus bietet die Lead-in Phase noch weitere Vorteile. Sie ermöglicht Rückschlüsse auf Compliance und Verträglichkeit der Standardtherapie und auf die Wahrscheinlichkeit eines Therapie-erfolgs. Anschließend erhielten die Patienten 44 Wochen lang pegIFN/RBV und zusätzlich entweder dreimal täglich 800mg Boceprevir oder Placebo.

Beide Studien prüften auch den Nutzen einer Response-gesteuerten Therapie (RGT).

Bei therapienaiven Patienten nicht schwarzer Hautfarbe steigerte die Zugabe von Boceprevir die SVR-Raten von 40 % unter pegIFN/RBV plus Placebo auf 68 % (p<0,001). In RESPOND-2 stiegen sie von 21 % auf 66 % (p<0,001; Abb.).

Abbildung: SPRINT 2 : Dauerhaftes Ansprechen unter Peginterferon alfa 2b/Ribavirin (pegIFNα/RBV), Response-gesteuerter Therapie (RGT) mit Boceprevir und Tripletherapie mit Boceprevir für 44 Wochen
Abbildung: SPRINT 2 : Dauerhaftes Ansprechen unter Peginterferon alfa 2b/Ribavirin (pegIFNα/RBV), Response-gesteuerter Therapie (RGT) mit Boceprevir und Tripletherapie mit Boceprevir für 44 Wochen

Therapiedauer einhalten

Wie Prof. Michael R. Kraus, Burghausen, anmerkte, erreichten Patienten, die mehr als 80 % der vorgesehenen Dauer unter Behandlung standen, hohe SVR-Raten (83-86 %), sogar dann, wenn weniger als 80 % der Boceprevir-Dosis eingenommen wurde 3. Die Einnahme von Boceprevir ohne Nahrung kann mit einem nachhaltigen Wirkungsverlust einher-gehen 4. „Es reicht aber ein kleiner Snack, der auch fettarm sein kann“, betonte Kraus.

Anämien traten unter der Tripletherapie (49 %) häufiger auf als in den Placebogruppen (29 %). Dabei war zu beobachten, dass Patienten, die eine Therapie-bedingte Anämie entwickelten, eine höhere SVR-Rate aufwiesen als Patienten ohne Anämie. Als erste Maßnahme zum Management der Anämie bei nichtzirrhotischen Patienten empfahl Kraus, die Ribavirindosis zu reduzieren.

Interaktionsprofil

Laut Prof. Hartwig Klinker, Würzburg, kann Boceprevir als starker Inhibitor des CYP3A4/5 Enzymsystems die Plasmaspiegel von Medikamenten , die hierüber metabolisiert werden, erhöhen. Umgekehrt können Inhibitoren oder Induktoren des CYP3A4/5 den Boceprevir-Spiegel beeinflussen.

Hauptsächlich wird Boceprevir über die Aldo-Keto-Reduktase und in geringerem Ausmaß durch CYP3A4/5 verstoffwechselt. Da die Biotransformation und Clearance von Boceprevir über zwei verschiedene Enzymwege erfolgt, ist das Auftreten signifikanter Wechselwirkungen mit insbesondere CYP-metabolisierter Komedikation weniger wahrscheinlich 5.

1 Poordad F et al. N Engl J Med 2011; 364: 1195-1206

2 Bacon BR et al. N Engl J Med 2011; 364: 1207-1217

3 Gordon SC et al. EASL 2011, Abstract 428

4 Fachinformation VICTRELIS°

5 Ghosal A e t al. Drug Metab Dispos 39; 2011: 510-521


Mit freundlicher Unterstützung von MSD Sharp & Dohme GmbH Autor: Dr. Matthias Herrmann, Berlin

Bericht: Victrelis ® Launch Symposium
am 23./24. September 2011 in Berlin.

Nachrichten

  • Leberschädigende Medikamente erkennen

    11. April 2012: Im Rahmen der Initiative „Mechanism Based Improved Systems for the Prediction of Drug-Induced Liver Injury (MIP-DILI)“ wollen die Wissenschaftler neue Testverfahren entwickeln, die das leberschädigende Potenzial eines Wirkstoffs zu einem frühen Zeitpunkt in der Arzneimittelentwicklung erfassen.weiter

  • Boceprevir und geboosterte Proteasehemmer

    10. Februar 2012: Pharmakokinetische Studien belegen relevante Interaktionen von Boceprevir (Victrelis®) mit geboosterten Proteasehemmern.weiter

  • Automatisierter Bluttest für Leberfibrose

    31. Januar 2012: Siemens bietet den ersten schnellen, automatisierten Biomarker-Test zur Diagnose und Beurteilung einer Leberfibrose an. Der ELF-Test (Enhanced Liver Fibrosis-Test) dauert rund eine Stunde. Er benötigt nur eine Blutprobe.weiter

  • Gilead kauft Pharmasset

    22. November 2011: Gilead Sciences erweitert mit dem Einkauf sein Hepatitis-C-Portfolio.weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir bei HIV/HCV-Koinfektion

    25. Oktober 2011: Die Tripletherapie mit dem HCV-Proteasehemmer Boceprevir ist auch bei HIV/HCV-Koinfektion hochwirksam. Bei 70% der Patienten war HCV zu Woche 24 nicht mehr nachweisbar.weiter

  • Telaprevir und Raltegravir: Keine Interaktion

    21. September 2011: Die Kombination des HCV-Proteasehemmers mit dem Integrasehemmer Raltegravir hat keine klinisch relevanten Wechselwirkungen.weiter

  • Hohe SVR mit BMS-790052

    21. September 2011: In einer Phase-2-Studie erreichten bis zu 83% der Patienten nach einer Tripletherapie mit dem neuen NS5A-Inhibitor eine SVR.weiter

  • Telaprevir (Incivo®) zugelassen

    20. September 2011: Der HCV-Proteasehemmer wurde von der Europäischen Behörde für Arzneimittel (EMA) zur Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis C Genotyp 1 in Kombination mit pegyliertem Interferon und Ribavirin zugelassen ...weiter

  • Telaprevir erhält Zulassungsempfehlung

    22. Juli 2011: Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat vom Ausschuss ein positives Votum für die Zulassung des HVC-Proteasehemmers Telaprevir erhalten.weiter

  • HCV-Proteasehemmer Boceprevir in Europa zugelassen

    18. Juli 2011: Die European Medicine Agency (EMA) hat den HCV-Proteasehemmer Boceprevir zur Behandlung der chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) vom Genotyp 1 zugelassen.weiter

  • Abbott plant neue Formulierungen

    18. Juli 2011: Das Unternehmen Abbott entwickelt eine neue Fixkombination von Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) mit Lamivudin sowie eine Pulverform von Ritonavir (Norvir®).weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir und Telaprevir in den USA zugelassen

    24. Mai 2011: Die beiden HCV-Proteasehemmer Boceprevir (VictrelisR) und Telaprevir (IncevekR) wurden zugelassen in Kombination mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin.weiter

  • Hepatitis C
    Boceprevir und Telaprevir in den USA für die Zulassung empfohlen

    29. April 2011: Das Advisory Board für antivirale Medikamente der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA hat jeweils einstimmig die Zulassung der beiden HCV-Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir für therapienaive und vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C empfohlen. Über die Zulassung der beiden HCV-Proteasehemmer wird die FDA am 23. Mai entscheiden.weiter

Nachrichten-Archiv weiter